Betriebliche Altersvorsorge als Zusatzrente: Lohnt sie sich wirklich?

Betriebliche Altersvorsorge als Zusatzrente: Lohnt sie sich wirklich?

Die betriebliche Altersvorsorge ist kein neues Modell, ist für viele Arbeitnehmer aber interessant. Denn wo früher nur der Arbeitgeber in die betriebliche Altersvorsorge einzahlte, kann seit ein paar Jahren auch der Arbeitnehmer – zusammen mit dem Arbeitgeber – in die bAV einzahlen.

Welche Durchführungswege es bezüglich der betrieblichen Altersvorsorge gibt und welche Vorteile bzw. Nachteile sich für Arbeitnehmer und Arbeitgeber daraus ergeben, lesen Sie in diesem Artikel. 

Was ist die betriebliche Altersvorsorge?

Alle finanziellen Leistungen, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer zur Versorgung von Hinterbliebenen (Tod), der Altersvorsorge oder als Invalidenversorgung zusagt, fallen unter den Begriff betriebliche Altersvorsorge. 

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Alle finanziellen Leistungen, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer zur Versorgung von Hinterbliebenen (Tod), der Altersvorsorge oder als Invalidenversorgung zusagt, fallen unter den Begriff betriebliche Altersvorsorge.

Hieraus ergeben sich folgende Vorteile für den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer:

Arbeitgeber: Er kann so Mitarbeiter an sich binden und gleichzeitig motivieren. Der Arbeitgeber spart allerdings auch – Lohnnebenkosten.

Arbeitnehmer: Neben dem Ansparen zur gesetzlichen Rente, und einem zusätzlichen Risikoschutz, profitiert der Arbeitnehmer von steuerlichen Vorteilen, da der Beitrag für die betriebliche Altersvorsorge vom Bruttolohn abgezogen wird. Dadurch verringert sich das Brutto und so kommt es zu Einsparungen der Abgaben.  

Beispiel: Zahlt ein Arbeitnehmer in die betriebliche Altersvorsorge beispielsweise 100 € aus dem Bruttoeinkommen ein, hat er dadurch meistens nur so circa 50 – 60 € weniger Nettoeinkommen. Aber 100 € werden für ihn gespart. 

Hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge?
Jeder Arbeitnehmer kann von seinem Chef verlangen, dass ein Teil des Bruttogehalts monatlich in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt wird. Dies geschieht in der Regel durch die sogenannte Entgeltumwandlung. 

Wer hat Anspruch auf die betriebliche Altersvorsorge?

Einen Anspruch auf die betriebliche Altersvorsorge hat jeder Arbeitnehmer, der in der gesetzlichen Rentenversicherung „pflichtversichert“ ist. Das gilt auch für Arbeitnehmer in Teilzeit oder geringfügig Beschäftigte (Minijobber und Midijobber).

  • Angestellte mit einem unbefristeten und befristeten Arbeitsvertrag
  • Auszubildende
  • Teilzeitangestellte
  • Geschäftsführer

Rechtsanspruch
Der Arbeitnehmer muss den Aufbau der betrieblichen Altersvorsorge selbst finanzieren. Seit 2019 muss ein Arbeitgeber einen Zuschuss zur bAV leisten. Dieser Zuschuss beträgt 15 % des vom Arbeitnehmer geleisteten Beitrags. 

Die Entgeltumwandlung darf eine maximale Höhe von 4 % der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung betragen. Umgerechnet heißt das, dass maximal 3.312 Euro im Jahr 2020 in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt werden kann. Für 2021 hat der sich Betrag auf 3.408 Euro erhöht.

2 Arten der Versorgungszusage der betrieblichen Altersvorsorge

Nach einer Vielzahl von Vorschriften, die arbeits-, steuer- und aufsichtsrechtlich sind, unterliegt die betriebliche Altersvorsorge dem Betriebsrentengesetz. Die wichtigste arbeitsrechtliche Regelung ist die Versorgungszusage des Arbeitgebers. Hier sind zwei Arten zu unterschieden:

  • unmittelbare Zusage
  • mittelbare Zusage

Spätere Zahlungen durch den Arbeitgeber werden als unmittelbare Zusage bezeichnet. Nutzt das Unternehmen die folgenden 4 Durchführungswege, erhält der AG die mittelbare Zusage.  

  1. Pensionsfonds
  2. Direktversicherung
  3. Pensionskasse
  4. Unterstützungskasse

Wer entscheidet über die Versorgungsregeln?

Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten:

Liegt die Entscheidungsgewalt beim Tarifvertrag, so sind die Versorgungszusagen in der Betriebsvereinbarung oder den Tarifverträgen hinterlegt. Bedenken Sie aber, dass nicht jedes Unternehmen und jede Branche das Entgeltumwandlungsverfahren anbietet. 

Entscheidet der Arbeitgeber (kein Passus in der Betriebsvereinbarung bzw. dem Tarifvertrag) über die Versorgungszusage, kann dieser den finanziellen Beitrag und auch den Durchführungsweg allein festlegen. Gibt es einen Betriebsrat im Unternehmen, so wird das von beiden Parteien entschieden. 

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Die Entscheidung über die Versorgungsregeln der bAv unterliegt dem Tarifvertrag oder dem Arbeitnehmer – zu Teilen auch der Betriebsrat

Um die Entgeltumwandlung durchführen zu können, muss das Unternehmen bestimmte Positionen erfüllen. Denn einem Rechtsanspruch zur Entgeltumwandlung kann nur zugestimmt werden, wenn das Unternehmen einen der folgenden Durchführungswege anbietet. 

  • Pensionsfonds
  • Direktversicherung
  • Pensionskasse

5 Wege der betrieblichen Altersvorsorge

Um die betriebliche Altersvorsorge anbieten zu können, stehen jedem Arbeitgeber Durchführungswege zur Verfügung. Diese haben wir Ihnen folgend aufgelistet und zeigen Ihnen auch auf, welche Vorteile und Nachteile diese mit sich bringen. 

Direktzusage/Pensionszusage

Bei der Direktzusage zahlt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer zum Beispiel als Betriebsrente bei Renteneintritt monatlich Geld. Verstirbt der Arbeitnehmer oder wird er invalide, so ist er über die Direktzusage durch den Arbeitgeber finanziell abgesichert. Bei Tod entsprechend die Hinterbliebenen.  

Vorteile und Nachteile der Direktzusage/Pensionszusage für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Arbeitgeber:

Vorteile für Arbeitgeber Nachteile für Arbeitgeber 
Steuermindernder Aufwand bei Pensionsrückstellung Bilanzverlängerung 
Wenn die Mittel im Unternehmen bleiben hat das einen Liquiditätsvorteil. Der Verwaltungsaufwand ist hoch. 
Unternehmen binden Fachkräfte an sich.  Bei Mindestleistung kann keine Beitragszusage gemacht werden. 
Pensionszahlungen werden als Betriebsausgaben angesehen. Es besteht eine Beitragspflicht zum Pensions-Sicherungs-Verein.
Sozialversicherungsbeiträge müssen nicht gezahlt werden, wenn der Arbeitgeber mitfinanziert.  
Die Entgeltumwandlung kann bis zu 4 % von der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung betragen. Dann sind Sozialversicherungsbeiträge nicht zu zahlen.  

Arbeitnehmer:

Vorteile für Arbeitnehmer Nachteile für Arbeitnehmer 
Besonders geeignet für die Altersvorsorge, da unbegrenzte steuerliche Vorteile.Scheidet man aus dem Betrieb aus, ist zwar eine Fortführung der eigenen Beiträge möglich, wird aber nicht mehr gefördert. Da der Zuschuss vom Arbeitgeber wegfällt, müssen die Beiträge aus dem Nettogehalt gezahlt werden.
Nutzt man Entgeltumwandlung, liegt die Sozialversicherungsfreiheit bei bis zu 4% der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung.Es besteht kein Anspruch auf Übertragung bei Arbeitgeberwechsel.  
Schutz bei Insolvenz des Arbeitgebers.  

Unterstützungskasse

Die U-Kasse ist eine selbstständige Versorgungseinrichtung eines oder mehrerer Unternehmen. Meist ist dies ein rechtlich eingetragener Verein. Zahlungen an den Verein werden vom Arbeitgeber selbst geleistet. Allerdings wird dies finanziert durch die Entgeltumwandlung des Bruttogehalts des Arbeitnehmers.

Vorteile und Nachteile der Unterstützungskasse für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Arbeitgeber:

Vorteile für Arbeitgeber Nachteile für Arbeitgeber 
Die Aufwendungen werden als Betriebsausgaben angesehen. Es besteht eine Beitragspflicht zum Pensions-Sicherungs-Verein. 
Beim Trägerunternehmen wird die Bilanz als neutral angesehen. Bei Mindestleistung kann keine Beitragszusage gemacht werden. 
Finanziert der Arbeitgeber, sind keine Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Arbeitgeber sind bei der Finanzierung eingeschränkt. 
Die Entgeltumwandlung kann bis zu 4 % betragen. Dann sind Sozialversicherungsbeiträge nicht zu zahlen. Gegebenenfalls Nachschusspflicht bei Leistungsbeginn. 

Arbeitnehmer:

Vorteile für Arbeitnehmer Nachteile für Arbeitnehmer 
Besonders geeignet als Altersvorsorge für Angestellte, da eine unbegrenzte steuerfreie Entgeltumwandlung (Arbeitnehmer mit hohem Einkommen) möglich ist.  Scheidet man aus dem Betrieb aus, ist zwar eine Fortführung der eigenen Beiträge möglich, wird aber nicht mehr gefördert. Da der Zuschuss vom Arbeitgeber wegfällt, müssen die Beiträge aus dem Nettogehalt gezahlt werden.
Die Entgeltumwandlung kann bis zu 4 % von der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung betragen. Dann sind Sozialversicherungsbeiträge nicht zu zahlen.Es besteht kein Anspruch auf Übertragung bei Arbeitgeberwechsel. 
Schutz bei Insolvenz beim Arbeitgeber.  
Absicherung bei Invalidität oder im Todesfall.  

Direktversicherung

Per Einzel- oder Gruppenvertrag schließt der Arbeitgeber eine Lebensversicherung für seine Arbeitnehmer ab. Der Arbeitnehmer ist bezugsberechtigt. Sollte er vorab versterben, so sind die Hinterbliebenen finanziell abgesichert. Der Arbeitgeber kann die Zahlungen (Aufwendungen) als Betriebsausgaben geltend machen. 

Vorteile und Nachteile der Direktversicherung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Arbeitgeber:

Vorteile für Arbeitgeber Nachteile für Arbeitgeber 
Minimaler Aufwand in der Verwaltung. Lohnsteuerfreiheit begrenzt 
Neutralität bezogen auf die Bilanzen Sozialversicherungsfreiheit begrenzt 
Sozialversicherungsfrei bei Beiträgen bis zu 4 % der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung. 
Auch bei Mindestleistung ist die Beitragszusage möglich.  
Es besteht keine Beitragspflicht zum Pensions-Sicherungs-Verein.  

Arbeitnehmer:

Vorteile für Arbeitnehmer Nachteile für Arbeitnehmer 
Je nach Höhe der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung liegt die Steuerfreiheit bei bis zu 8 %.Steuerfreiheit begrenzt  
Die Entgeltumwandlung kann bis zu 4 % von der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung betragen. Dann sind Sozialversicherungsbeiträge nicht zu zahlen.Sozialversicherungsfreiheit begrenzt
Förderung durch Riester möglich   
Absicherung bei Invalidität oder im Todesfall  
Lebenslange garantierte Rentenzahlung  
Es besteht ein Anspruch auf Übertragung, wenn der Arbeitgeber gewechselt wird. Allerdings nur bei Zusagen nach 2005.  

Pensionskasse

Auch Pensionskassen gehören zu den rechtlichen Unternehmen auf selbstständiger Basis. Getragen werden diese durch einen beziehungsweise mehrere Arbeitgeber. Zugesagte Leistungen gegenüber Arbeitnehmern oder im Todesfall den Hinterbliebenen gewähren sie. Finanziert werden sie über Trägerunternehmen und Vermögenserträgen. 

Zu unterscheiden sind zwei Arten von Pensionskassen:

  • Firmenpensionskassen
  • Wettbewerbspensionskassen

Vorteile und Nachteile der Pensionskasse für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Arbeitgeber:

Vorteile für Arbeitgeber Nachteile für Arbeitgeber 
Minimaler Aufwand in der Verwaltung. Lohnsteuerfreiheit begrenzt 
Erhebt der Versicherte Ansprüche, so gehen diese direkt an die Pensionskasse. Sozialversicherungsfreiheit begrenzt 
Neutralität bezogen auf die Bilanzen. 
Die Entgeltumwandlung kann bis zu 4 % von der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung betragen. Dann sind Sozialversicherungsbeiträge nicht zu zahlen. 
Auch bei Mindestleistung ist die Beitragszusage möglich.  
Es besteht keine Beitragspflicht zum Pensions-Sicherungs-Verein.  

Arbeitnehmer:

Vorteile für Arbeitnehmer Nachteile für Arbeitnehmer 
Je nach Höhe der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung liegt die Steuerfreiheit bei bis zu 8 %.Steuerfreiheit begrenzt 
Die Entgeltumwandlung kann bis zu 4 % von der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung betragen. Dann sind Sozialversicherungsbeiträge nicht zu zahlen. Sozialversicherungsfreiheit begrenzt 
Förderung durch Riester möglich  
Absicherung bei Invalidität oder im Todesfall  
Lebenslange garantierte Rentenzahlung  
Es besteht ein Anspruch auf Übertragung, wenn der Arbeitgeber gewechselt wird. Allerdings nur bei Zusagen nach 2005.  

Pensionsfonds

Auch die Pensionsfonds gehören zu den rechtlich selbstständigen Versorgungsträgern, welchen den Arbeitnehmern zugesagte Leistungen auszahlen. Orientiert wird sich an angelsächsischen Vorbildern. Pensionsfonds unterliegen nicht den Restriktionen der klassischen Lebensversicherung und Rentenversicherung. 

Vorteile und Nachteile der Pensionsfonds für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Arbeitgeber:

Vorteile für Arbeitgeber Nachteile für Arbeitgeber 
Eine Umwandlung ist grundsätzlich steuerneutral bei der Umwandlung von Direktzusage oder Unterstützungskasse in Pensionsfonds. Lohnsteuerfreiheit begrenzt 
Rechtlicher Anspruch des Arbeitnehmers an den Pensionsfonds. Sozialversicherungsfreiheit begrenzt 
Neutralität bezogen auf die Bilanzen Beitragspflicht bei 20 % des Regelbetrags zum Pensions-Sicherungs-Verein 
Die Entgeltumwandlung kann bis zu 4 % von der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung betragen. Dann sind Sozialversicherungsbeiträge nicht zu zahlen.  
Auch bei Mindestleistung ist die Beitragszusage möglich.  

Arbeitnehmer:

Vorteile für Arbeitnehmer Nachteile für Arbeitnehmer 
Je nach Höhe der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung liegt die Steuerfreiheit bei bis zu 8 %.Gute Renditechancen, aber dem gegenüber steht ein hohes Ertragsrisiko. 
Die Entgeltumwandlung kann bis zu 4 % von der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung betragen. Dann sind Sozialversicherungsbeiträge nicht zu zahlen. Kapitalabfindung ist nicht möglich
Förderung der Riester möglich Zahlung des Sterbegelds ist nicht möglich
Absicherung bei Invalidität oder im Todesfall  
Lebenslange garantierte Rentenzahlung  
Es besteht ein Anspruch auf Übertragung, wenn der Arbeitgeber gewechselt wird.   
Renditechancen erhöhen sich.   

Fazit zur betrieblichen Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge ist für jeden Angestellten sinnvoll – es kommt nur darauf an, wo die bAv angelegt wird. Deshalb ist es ratsam, sich mit seinem Chef zusammenzusetzen und zu schauen, was das richtige Modell ist.

Auch sollte man auf die betriebliche Altersvorsorge bestehen, denn Unternehmen sind verpflichtet (je nach Branche) diese Möglichkeit der zusätzlichen Altersvorsorge anzubieten.

Autor: Thomas Wellmann – dein Versicherungsmensch

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