Riester-Rente: Alle Fakten zur staatlich geförderten Altersvorsorge
Ist die Riester-Rente für jeden etwas?

Riester-Rente: Alle Fakten zur staatlich geförderten Altersvorsorge

Haben Sie schon Ihre Rente nach Beendigung der Arbeitsjahre berechnet? Wieviel kommt raus? Ist es wirklich genug zum Leben? Man sollte meinen, dass der Staat jahrzehntelange Arbeit gut honoriert. Aber dem ist nicht so. Wie kann Ihnen die Riester-Rente dabei behilflich sein und ist diese Form der Rente überhaupt für jeden geeignet?

Der Cent ist die Seele der Milliarde!

© Great Schickedanz (1911 – 1994), deutsche Unternehmerin

Was ist die Riester-Rente?

2002 fand eine umfassende Rentenreform statt mit dem Ziel, die jüngere Generation zu entlasten. Genau aus diesem Grund wurde auch das Rentenniveau abgesenkt, was zu einer Rentenversorgungslücke führte. Um diese zu schließen und Altersarmut zu verhindern, wurde die Riester-Rente geschaffen. Neben der Riester-Rente gibt es zur Absicherung im Alter noch eine Reihe betrieblicher und/oder private Möglichkeiten.

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2002 trat eine neue Rentenreform – die Riester-Rente – in Kraft. Wie sieht es im Jahr 2021 mit der Riester-Rente aus?

Um die Riester-Rente für Arbeitnehmer interessanter zu gestalten, hat sich der Staat zwei Arten von Fördermöglichkeiten (Steuervorteile/Zulagen) überlegt. Diese sollen dazu beitragen, dass sich Arbeitnehmer selbst aktiv um ihre Altersvorsorge kümmern. Fakt ist, einkommensabhängig und abhängig von der Höhe der Zulagen kann man auch mit kleinen Sparbeträgen ein respektables finanzielles Polster fürs Alter aufbauen.

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Welche Förderung gibt es für die Riester-Rente vom Staat?

Staatliche Grundzulage: Bei der staatlichen Grundzulage erhält der Sparer 175 € jährlich vom Staat auf seinen Riester-Rente-Vertrag einbezahlt.

Staatlicher Berufseinsteigerbonus: Ist der Sparer bei Abschluss der Riester-Rente noch keine 25 Jahre alt, bekommt er beim Abschluss eine einmalige Zahlung von 200 €.

Staatliche Kinderzulage: Abhängig vom Geburtsjahr des Kindes bekommt der Versicherte entweder 185 oder 300 €. Achtung: Die staatliche Kinderzulage zur Riester-Rente, kann man nur für Kinder beantragen, die in Deutschland kindergeldberechtigt sind. Des Weiteren sollten Sie wissen, dass die staatliche Kinderzulage nur von einem der beiden Elternteile in Anspruch genommen werden kann.

Staatlichen Zulagen sind jedes Jahr aufs Neue bei der Zulagenstelle für Altersvermögen zu beantragen
Alternativ ist auch ein Daueranlageantrag möglich. Bei diesem erfolgt die jährliche Beantragung der staatlichen Zulagen über die gesamte Laufzeit der Riester-Rente ganz automatisch.

Die Beiträge, die man in den Riestervertrag einzahlen kann ist bis zu einer Summe von maximal 2.100 € jährlich bei der Steuererklärung geltend zu machen. Ist der Steuervorteil höher als die Zulagen, wird die Differenz vom Finanzamt als Steuererstattung vermerkt.

Vorteile Riester-RenteNachteile Riester-Rente
Hohe FörderungBegrenzte Vererbbarkeit
Lebenslange stabile RenteTeils hohe Abschlusskosten
Schutz vor Insolvenz und PfändungSteuerpflichtige Rentenzahlung
Einsteiger Bonus für BerufsanfängerHohe Lebenserwartung vorausgesetzt
BeitragsgarantieNicht transparent
FreibetragKündigung teuer

Es ist sinnvoll eine Rentengarantiezeit zu vereinbaren. Denn stirbt der Teilnehmer nach Renteneintritt, verfällt der Rentenanspruch der Riester-Rente.

Wie wird die Riester-Rente besteuert?

Da die Beiträge zur Riester-Rente aus dem unversteuerten Lohn oder Gehalt geleistet werden, wird bei der späteren Auszahlung natürlich Einkommensteuer fällig. Die Auszahlung der Riester-Rente muss praktisch voll versteuert werden. Allerdings gibt es noch den sogenannten Altersentlastungsbeitrag, der dazu beitragen soll, die Steuerlast zu reduzieren. Der Steuersatz, nach dem die Einkommenssteuer berechnet wird, hängt vom Gesamteinkommen des Rentners ab.

Wenn der Rentner sich folgend entscheidet:
Hat sich der zukünftige Rentner für eine private Rentenvorsorge ohne staatliche Förderung entschieden, werden die Beiträge aus versteuertem Einkommen geleistet. Anschließend kommt es nur zur Versteuerung des Ertragsanteils. Achtung, abhängig von der Art der Riester-Rente (z. B. fondsgebundene Riesterrente, Riester-Fondsparplan, Riester-Banksparplan usw.) können noch weitere Steuern fällig werden.

Was ist der Altersentlastungsbeitrag?

Bei dem Altersentlastungsbeitrag handelt es sich laut §24a EstG um einen Steuerfreibetrag, der dem Arbeitnehmer bzw. dem Rentner ab dem Jahr gewährt wird, in dem er sein 64. Lebensjahr vollendet.

  • Riester-Fondssparplan: keine Abgeltungssteuer/Einkommenssteuer abhängig vom Gesamteinkommen
  • Wohn-Riester: nachgelagerte Besteuerung

Versteuern der Wohnriester?
Zwar sind auch die eingezahlten Beiträge in die Wohn-Riester steuerfrei, allerdings sind die Auszahlungen zu versteuern. Das dabei verwendete Verfahren ist etwas komplexer. Bei der Wohn-Riester verbucht man alle Einzahlungen, staatlichen Zulagen und angenommenen Zinsen auf dem Papier auf ein sogenanntes Wohnförderkonto. Tatsächlich existiert das Geld aber nicht in dieser Form, sondern wird in Immobilien investiert.

Naht die Auszahlungsphase bekommt auch derjenige einen Bescheid, der sich für eine Wohnriester zur Altersvorsorge entschieden hat. In diesem Bescheid wird aber seine Steuerschuld aufgeführt. Jetzt liegt es an ihm zu entscheiden, ob er die komplette Summe auf einmal versteuern möchte und 30% der geschuldeten Summe spart oder die offene Steuerschuld über die Dauer von maximal 23 Jahren in Raten begleicht. Der dabei verwendete Steuersatz richtet sich nach dem Gesamteinkommen.

Für wen ist die Riester-Rente geeignet?

Nur folgende Personengruppen können eine Riester-Rente abschließen:

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Die Riester-Rente steht stark in der Kritik. Für welche Personen ist sie geeignet und welche Vorteile und Nachteile hat sie?
  • Arbeitnehmer
  • Auszubildende
  • Bundesfreiwilligendienstleistende
  • Studenten mit einem rentenversicherungspflichtigen Minijob
  • pflichtversicherte Selbstständige
  • Beamte
  • Soldaten
  • Richter
  • Bezieher von ALG I oder ALG II
  • Erwerbsgeminderte, Erwerbs und dienstunfähige Personen.

Bekommt der Ehepartner auch Zulagen zur Riester-Rente?
Es ist möglich, dass der Ehepartner, obwohl er nicht zum berechtigten Kreis der Personen gehört, Zulagen erhält.
Voraussetzung: Er/Sie muss ebenfalls eine Riester-Rente abgeschlossen haben.

Wie hoch ist mein Mindestbeitrag zur Riester-Rente?

Die Berechnung, um den Mindestbeitrag zu ermitteln, ab dem man die volle staatliche Förderung erhält, ist keine große Sache. Allerdings sind es mindestens 60 Euro pro Jahr, um die staatliche Förderung zu erhalten.

Beispiel 1:

Eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind (Geburtsjahr vor 2008) verdiente im vergangenen Jahr 52.000 € Brutto. Rechnet man 4% heraus, kommt man auf 2.080 €. Von dieser Summe kann man noch die Grundzulage von 175 € und die Kindergeldzulage in Höhe von 185 € abziehen. Das Ergebnis wird zum Schluss noch durch 12 Monate geteilt.

4% vom Jahresbruttogehalt (52.000 €)2.080 €
–          Grundzulage-175 €
–          Kinderzulage-185 €
= 1.720 €

Die alleinerziehende Mutter muss jährlich 1.702€ oder monatlich 143,33 € in ihren Riestervertrag einbezahlen, um die vollen staatlichen Zulagen zu erhalten.

Beispiel 2:

Ein verheiratetes Paar mit zwei vor 2008 geborenen Kindern. Während er durch eine Betriebsrente im Alter abgesichert ist, ist es um Ihre Rente aufgrund ihres Teilzeitjobs schlecht bestellt. Das Paar entscheidet darum, dass man für die Ehefrau zur Verbesserung ihrer Situation eine Riester-Rente abschließen sollte. Die Ehefrau verdient mit ihrer Teilzeitstelle 23.000 € brutto im Jahr.

4% vom Jahresbruttoverdienst920 €
–          Grundzulage-175 €
–          Zulage Kind 1-185 €
–          Zulage Kind 2-185 €
=375 €

Die Ehefrau muss 375 € jährlich in Ihren Riester-Vertrag einbezahlen, um die volle staatliche Förderung zu erhalten.

Unser Rentenrechner klärt auf:
Über unseren Renten-Rechner bekommen Sie gleich einen Überblick Ihrer späteren Rente

Was ist bei der Auszahlung der Riester-Rente für mich zu beachten?

Die Riester-Rente ist so konzipiert, dass mit Renteneintritt die Möglichkeit besteht, sich 30 % der angesparten Summe sofort auszahlen zu lassen. Der Rest wird lebenslang in Form einer monatlichen Rentenzahlung ausbezahlt.

Wissenswert: Ab dem 60. Lebensjahr kann man die Auszahlung der Riester-Rente nur beantragen, wenn der Vertrag vor 2011 zum Abschluss kam. Ab dem 62. Lebensjahr kann man die Auszahlung der Riester-Rente jederzeit verlangen.

Auszahlung der Riester-Rente bei Tod vor Rentenbeginn bzw. während der Rentenphase: Das sollten Sie wissen

Unabhängig, ob der Todesfall vor Rentenbeginn oder während der Rentenphase eintritt, bezüglich der Riester-Rente gibt es nur folgende Möglichkeiten:

Stirbt ein unverheirateter Riester-Sparer, zahlt man dessen eingezahlte Beiträge einschließlich der Verzinsung an die Erben aus. Die Steuervergünstigungen des Verstorbenen und/oder die Riester-Rente-Förderung sind an den Staat zurückzuzahlen. Aber nur, wenn der Riester-Sparer vor dem Eintritt in die Rente verstirbt. Ähnliches gilt bei Ehepaaren.

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Bekommt man jemand die Riester-Rente ausgezahlt, tritt der Tod vor Rentenbeginn ein?

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Verstirbt einer der beiden Verheirateten während der Ansparphase, hat der andere Anspruch auf die Auszahlung der Rente im Alter. Auch dann, wenn noch der lebende Partner über einen eigenen Riestervertrag verfügt. Dieser bekommt dann praktisch zwei Riesterverträge ausbezahlt.

Riester-Rente in Waisenrente umwandeln
Handelt es sich bei dem Erben um einen Jugendlichen oder ein Kind, das bzw. der selbst noch Anspruch auf Kindergeld hat, besteht die Möglichkeit, die Riesterrente in eine Waisenrente umzuwandeln.

Der Fondsparplan der Riesterrente

Vom Wohn-Riester über die klassische Riester-Rente bis zum Riester-Fondssparplan, es gibt verschiedene Ausführungen der Riesterrente. In der heutigen Zeit ist der Fondssparplan aufgrund der aktuell sehr niedrigen Zinsen zu bevorzugen. Hinzu kommt noch, dass die Kosten für den Riester-Fondssparplan wesentlich geringer sind als bei einer klassischen fondsgebundenen Rentenversicherung.

Riester Vertrag kündigen: was passiert?

Den Riester Vertrag kann man jederzeit kündigen und so sein Vorsorgekapital entnehmen. Aber: Alle Steuervorteile und Zulagen sind an Vater Staat zurückzuzahlen.
Besser wäre: Sie lassen den Vertrag ruhen. Heißt, es müssen keine weiteren Zahlungen vorgenommen werden. Vorteil des Ganzen: Die erhalten Leistungen von Zulagen und die Steuervorteile sind nicht fort. Auch kann man den Vertrag zu jedem Zeitpunkt fortsetzen. Nachteil: Im Zeitraum, in der keine Einzahlungen stattfinden, gibt es staatlichen Förderungen mehr.

Autor: Thomas Wellmann – dein Versicherungsmensch

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